Ich war ambivalent in Bezug auf mein Musikstudium. Eines Tages sagte sie: “Sie müssen Jung besuchen!“, und arrangierte einen Besuch bei ihm. In seinem typischen Basler Dialekt fragte mich Jung: „Was wünschen Sie?“ Ich erzählte ihm von meinen beruflichen Zweifeln und meinen Fantasien, jungsche Psychologie zu studieren. Worauf Jung sagte, Musik habe ja mit hören zu tun und Gehör führe zu Gehorsam, zum hören auf die innere Stimme...
Später beendete ich mein Cellostudium und begann die Ausbildung am Jung-Institut. Die Vorlesungen von Marie-Louise von Franz begeisterten mich und so setzte ich meine Lehranalyse nach dem Propaedeutikum bei ihr fort. Das Wichtigste, was ich von ihr lernte, war ein Brücke zu machen zwischen den Träumen und dem „realen“ Leben.
Nach der Diplomierung am Jung-Institut gingen meine künstlerischen Interessen in Richtung Film. Ich liebte Fellinis Filme und wusste, dass er in Analyse war beim ersten jungschen Analytiker in Italien, Ernst Bernhard. Fellini bewunderte Jung. Als ich ihm sagte, ich sei ein jungscher Analytiker aus Zürich, war die Türe offen. Fellini gab mir Gelegenheit, als Assistent meine filmische „Lehre“ zu machen in der Zeit, als er einen seiner wichtigsten Filme drehte, den Satyricon. 2007 wurde sein Traumbuch publiziert. Ich gab darüber eine Vorlesung am Kongress Art and Psyche in San Francisco 2008.
Zurück in der Schweiz arbeitete ich einige Zeit ausschliesslich als Dokumentarfilmer. Dann kam eine unerwartete Wende in meinem Leben. Meine Rückkehr zur Tätigkeit als jungscher Analytiker wurde stark beeinflusst durch Laurens van der Post, den ich 1984 kennen lernte. Er war zutiefst „jungianisch“. Ich bewunderte, wie sehr er in seinem Leben aktive Tat und reflektierende Kontemplation zu vereinen wusste. Durch ihn und seine Bücher begann ich mich für Afrika zu begeistern.
1990 lud mich Vera Bührmann ein, am Jung Centre in Kapstadt Vorlesungen und Seminare zu geben. Das war der Anfang meiner Lehrtätigkeit in Südafrika. Zugleich machte ich dort auch Dokumentarfilme, insb. über die Buschleute und ihre faszinierenden Felsbilder. Am IAAP Kongress 2007 in Kapstadt organisierte ich sodann Workshops Healing in two Worlds –Jungian Psychotherapists encounter African Traditional Healers. Das wiederum war der Anfang eines Projekts, das weiterging mit vielen verschiedenen Anlässen sowohl in Südafrika wie auch in der Schweiz. Ich hoffe sehr, dieser Dialog und Austausch kann fortgeführt werden.